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Judith Brecht
Diplom-Übersetzerin (BDÜ)
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76185 Karlsruhe
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ÜbersetzerBlog

18. Juni 2012

Inwieweit ist der Preis für eine Übersetzung Verhandlungssache?

Diese Frage könnte auch so gestellt werden: Wie weit kann der Preis für eine Übersetzung gedrückt werden?

Natürlich hat jeder Übersetzer seinen Stundenlohn bzw. Zeilenpreis, den er immer wieder neu kalkuliert, um seine Tätigkeit rentabel zu machen. Gerade aber, wenn es darum geht, dass Privatpersonen Ihre Personenstandsurkunden, Scheidungsurteile, Zeugnisse etc. übersetzen lassen müssen, um in Deutschland eine Ehe schließen oder sich bewerben zu können, steht man als Übersetzer immer wieder vor der Situation, dass der Kunde den kalkulierten und angebotenen Preis nicht bezahlen möchte oder nicht bezahlen kann. Im ersten Fall kann man versuchen, dem Kunden mit verschiedenen Argumenten (Qualitätssicherung, Arbeitsaufwand etc.) zu verdeutlichen, wie der Preis entstanden ist, eventuell kann man dem Kunden je nach Auftrag auch ein wenig entgegenkommen. Führt das alles nicht zu einer Einigung, muss man den Kunden bitten, woanders sein Glück zu versuchen.

Es gibt jedoch durchaus Kunden, die den Preis für eine Übersetzung schlicht nicht zahlen können, und bei denen es mit „ein wenig entgegenkommen“ nicht getan wäre. Wenn sich dies im Laufe eines Gesprächs herausstellt, muss ich entscheiden, ob ich die Übersetzung zu einem eigentlich indiskutablen Mindestpreis trotzdem anfertige, um dem Kunden behilflich zu sein, oder ob ich den Auftrag komplett ablehne. Dies muss der Übersetzer sicherlich von Fall zu Fall differenziert betrachten. Bei Kunden, die eine Geburtsurkunde zur Übersetzung vorlegen, die ich in der Form nur mit unterschiedlichen Personalien bereits mehrfach übersetzt habe, kann ich sicherlich ein Auge zudrücken und die Übersetzung anfertigen. Bei Kunden jedoch, die nicht nur ein Dokument, sondern gleich einen ganzen Stapel Zeugnisse vorlegen, den sie gerne übersetzt hätten, ohne einen auch nur einigermaßen angemessenen Preis zahlen zu können, muss ich passen. Es ist in diesem Fall zwar äußerst misslich für den betreffenden Kunden, wenn ich den Auftrag aus finanziellen Gründen ablehnen muss, aber da gerade Zeugnisübersetzungen recht arbeitsintensiv sein können, muss auch das Entgegenkommen seine Grenzen haben. Auch hier muss man den Kunden bitten, bei Kollegen anzufragen, was aber in diesem Fall wohl  nur wenig Erfolg versprechend ist.

 

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