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Judith Brecht
Diplom-Übersetzerin (BDÜ)
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ÜbersetzerBlog

14. März 2011

Realienproblematik bei der Übersetzung von Zeugnissen

Bei der Übersetzung von Zeugnissen aus der französischen bzw. spanischen Sprache ins Deutsche habe ich es immer wieder mit kulturspezifischen Begriffen zu tun, die nicht übersetzt werden können/dürfen, da die deutsche Sprache keine hundertprozentige Entsprechung dafür hat. In der Übersetzungswissenschaft werden solche Begriffe “Realienlexeme” oder “Realienbezeichnungen” genannt, wobei Realien (oder Realia) in einer Definition von Christiane Nord (Nord: Fertigkeit Übersetzen, S. 233) Gegenstände oder Phänomene sind, “die nur in einer bestimmten Kultur vorkommen und daher für Angehörige anderer Kuturen oft unbekannt oder schwer verständlich sind [...].” Bei der Zeugnisübersetzung sind es zum Beispiel Abschlüsse oder Institutionsbezeichnungen, die für den Übersetzer heikel werden können. In seinem auf der Website der Uni Heidelberg veröffentlichten Artikel schreibt Prof. Dr. Nelson Cartagena vom Institut für Übersetzen und Dolmetschen der Uni Heidelberg Folgendes: “Die Realienproblematik kann nicht allein in der einzelsprachlichen Beschreibung festgestellt werden. Sie erscheint erst in der kontrastiven Analyse beziehungsweise in der Übersetzung, wenn Begriffslücken, Fehlstellen beim interlingualen Vergleich oder Transfer entdeckt werden, das heißt, im Rahmen eines 1:0-Verhältnisses, das als denotative Nulläquivalenz bezeichnet wird. Das fehlende Denotat, die Erscheinung, das Ding, wird Realie genannt, das entsprechende sprachliche Zeichen Realienbezeichnung. Um die Nulläquivalenz zu überwinden, bleiben dem Übersetzer nur sehr wenige Möglichkeiten, Realienbezeichnungen adäquat und äquivalent in die Zielsprache zu übertragen. Er kann das Fremdwort übernehmen, es lexikalisch anpassen, Erläuterungen in Form von Fußnoten, Anmerkungen oder Glossaren anfügen, eine Lehnübersetzung, Lehnübertragung, Lehnschöpfung vornehmen und diese Möglichkeiten kombinieren.”
Ein gutes Beispiel ist der der spanische Abschluss licenciado/a. Laut Wikipedia bezeichnet die licenciatura in Spanien und Portugal “einen staatlichen Hochschulabschluss (Título oficial), der zur Promotion berechtigt. Er entspricht in etwa dem deutschen Diplom.” Heißt das, ich kann z.B. den licenciado en física als “Diplom-Physiker” wiedergeben? Ich würde das nicht tun, da so durch den Übersetzer Vergleichbarkeiten geschaffen würden, die so direkt womöglich gar nicht gegeben sind. Anabin, die Website der Zentralstelle für Ausländisches Bildungswesen, auf der man Bidlungsinstitutionen, Institutionstypen, Abschlusstypen, Abschlüsse, Studienrichtungen und zuständige Stellen nach Ländern gegliedert abrufen kann, schlägt hier “Lizentiat der Physik” vor, möglicherweise könnte man in der Fußnote noch die Studiendauer o.ä. hinzufügen. Alternativ zu dem in Deutschland doch recht ungewöhnlichen Wort “Lizentiat” schreibe ich oft “Hochschulabsolvent der Fachrichtung …”.