Besuchen Sie mich doch auch auf der Website meines Übersetzungsbüros in Karlsruhe!
Judith Brecht
Diplom-Übersetzerin (BDÜ)
Landauer Str. 13
76185 Karlsruhe
Fon 0721 2031349
Fax 0721 6254776
www.judith-brecht.de

ÜbersetzerBlog

21. Februar 2011

Übersetzungen nur nach dem Muttersprachlerprinzip?

Den heutigen “Tag der Muttersprache” nehme ich zum Anlass, ein paar Worte zu dem unter Übersetzern immer wieder zitierten “Muttersprachlerprinzip” zu schreiben. Es besagt, dass eine Übersetzung grundsätzlich von einem Übersetzer angefertigt werden sollte, der die jeweilige Zielsprache als Muttersprache erlernt hat. Nur so könne eine hohe Sprachqualität gewährleistet und eine Übersetzung erzielt werden, die den Ausgangstext mit all seinen sprachlichen und kulturellen Nuancen wiedergibt. Als Muttersprache wird hierbei die erste Sprache verstanden, die ein Kind erlernt – in der Regel von seinen Eltern und ohne Sprachunterricht.

Inwieweit sollte ein Übersetzer nun nach diesem Muttersprachlerprinzip arbeiten? Sollte er tatsächlich ausschließlich Übersetzungen aus der Fremdsprache in seine Muttersprache anbieten? Ich finde, das kann nicht pauschal entschieden werden, man muss vielmehr von Text zu Text neu prüfen, ob man mit der Übersetzung wirklich hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden könnte. Je nach Fachgebiet werden einem Übersetzer die unterschiedlichsten Texte zur Übersetzung vorgelegt: Gerichtsurteile, Beipackzettel, technische Dokumentationen, Benutzerhandbücher, Geburtsurkunden, Werbetexte, Websites, Sachbücher, literarische Werke, notarielle Verträge, private Korrespondenz und vieles mehr. Um für mich zu entscheiden, ob ich einen konkreten Übersetzungsauftrag aus meiner Muttersprache, dem Deutschen, in eine meiner Fremdsprachen annehme, muss überlegt werden, was für eine Übersetzung erforderlich wäre: eine dokumentarische oder eine instrumentelle (siehe auch meinen Blogbeitrag “Fertigkeit Übersetzen” von Christiane Nord). Handelt es sich um einen instrumentell zu übersetzenden Text – was z.B. bei Werbetexten oder Websites der Fall ist – so lehne ich persönlich den Übersetzungsauftrag in die Fremdsprache ab und verweise an einen muttersprachlichen Übersetzerkollegen. Wieso? Es muss ein neuer Zieltext geschaffen werden, nicht nur die Sprache, auch die kulturellen Gepflogenheiten etc. müssen so angepasst werden, dass an keiner Stelle zu bemerken ist, dass es sich bei dem fremdsprachlichen Text um eine Übersetzung handelt. Der Text sollte sich genauso lesen bzw. dieselbe Funktion erfüllen wie der Ausgangstext. Das kann meines Erachtens einfach der Muttersprachler am besten – immer vorausgesetzt natürlich, er hat den Ausgangstext zu 100 % verstanden. Handelt es sich jedoch um einen Text, der dokumentarisch übersetzt werden muss – in meinem Fall z.B. Gerichtsurteile oder Personenstandsurkunden -, so bin ich der Ansicht, dass ich das genauso gut in die Fremdsprache übersetzen kann wie ein Muttersprachler. Hier kommt es auf Dinge wie grammatikalische Korrektheit oder terminologische Präzision an, die ich mit entsprechenden Kenntnissen der jeweiligen Fachsprache sowie einem breiten Erfahrungsspektrum mit ähnlichen Texten ebenso gut übersetzen kann wie ein Muttersprachler.