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Judith Brecht
Diplom-Übersetzerin (BDÜ)
Landauer Str. 13
76185 Karlsruhe
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ÜbersetzerBlog

20. November 2010

Die Übersetzung französischer Gerichtsurteile

Unter www.tradulex.org ist neben anderen Informationen rund ums Übersetzen eine Sammlung von Aufsätzen zum Thema “Juristisches Übersetzen” zu finden. Ein meines Erachtens besonders lesenswerter Beitrag von Suzanne Ballansat – Juristin, Übersetzerin und Lehrbeauftragte an der Universität Genf – soll hier kurz vorgestellt werden. Er trägt den Titel “Attendu que – Französische Gerichtsurteile als Herausforderung für den Übersetzer”.

Zunächst einmal wird dargelegt, dass es für einen Richter im Wesentlichen zwei Möglichkeiten der Urteilsfindung gibt: die deduktive, in den Ländern des Civil Law vertretene Methode, nach der eine abstrakte Norm auf einen konkreten Fall angewandt wird, und die induktive, in den Ländern des Common Law vertretene Methode, bei der es sich um eine von früheren Fällen ausgehende empirische Lösungsfindung handelt. Obwohl Frankreich und Deutschland hiernach dem gleichen Rechtskreis der deduktiven Urteilsfindung angehören, bestehen zwischen den beiden Ländern doch erhebliche Unterschiede bezüglich des Stils, in dem ein Gerichtsurteil verfasst wird.

Generell stellt die Autorin des Aufsatzes fest – und jeder juristische Fachübersetzer wird das bestätigen können -, dass die in einem Gerichtsurteil verwendete Sprache durch eine strenge Syntax und einen hohen Anteil an Fachterminologie gekennzeichnet ist. Vor allem französische Gerichtsurteile zeichnen sich durch eine sehr abstrakte und unpersönliche Sprache aus.

Ist ein deutsches Gerichtsurteil grob gesagt gegliedert in Urteilsformel – Tatbestand – Entscheidungsgründe, so lässt sich die Gliederung eines französischen Gerichtsurteils genau umgekehrt darstellen: Nach dem Titel und den Leitsätzen folgen die Tatsachen, die Entscheidungsgründe/Erwägungen und erst zum Schluss kommt die Urteilsformel mit Tenor und Dispositiv.

Nach dem kurz umrissenen theoretischen Hintergrund kommt der für Französisch-Übersetzer eigentlich interessante Teil mit den typischen sprachlichen Merkmalen eines französischen Gerichtsurteils:

  • der phrase unique, die in den Erwägungen beginnt und deren Hauptverb erst im Dispositiv zu finden ist
  • der typischen Gliederung der Urteilsbegründung in Nebensätzen, die mit attendu que, considérant que oder vu eingeleitet werden
  • der Abschluss der Begründung mit par ces motifs
  • der Gliederung des eigentlichen Urteilstextes mit sur le moyen de

In der abschließenden Sinneinheit zeigt Suzanne Ballansat zwei mögliche Hauptzwecke auf, die die Übersetzung eines Gerichtsurteils haben kann. Zum einen kann sie lediglich zu Informationszwecken dienen, wenn z.B. ein ausländischer Rechtsanwalt die Übersetzung als Verständnishilfe benötigt. Der Übersetzer hat hier die Freiheit, seine Übersetzung wenn nötig den Bedürfnissen des Adressatenkreises anzupassen. Zum anderen kann die Übersetzung jedoch auch Entscheidungsgrundlage für Richter sein – in diesem Fall muss sich der Übersetzer um größtmögliche Äquivalenz bemühen, um die optimale Vergleichbarkeit von Ausgangs- und Zieltext zu gewährleisten. Hierzu ist es z.B. wichtig, Aufbau und Syntax des französischen Gerichtsurteils beizubehalten, ebenso die phrase unique, auch wenn die Lektüre der Übersetzung dadurch erschwert wird. Bezeichnungen für Gerichtsinstanzen, gesetzliche Erlasse usw. sind zu übernehmen, eine möglichst wörtliche Übersetzung oder ggf. eine Erläuterung sollte in einer Fußnote ergänzt werden.

5. November 2010

SEO – Ein Muss für jeden Website-Betreiber

Aus aktuellem Anlass heute mal einige Überlegungen zu einem ganz anderen Thema: der Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO.

Die Website eines freiberuflich tätigen Übersetzers kann zweierlei Zwecke erfüllen. Zum einen kann sie als “Visitenkarte” für potentielle Auftraggeber dienen, die man beispielsweise anschreibt und für zusätzliche Informationen an die eigene Website verweist. Zum anderen kann sie für sich alleine als Werkzeug für die Akquise von Neukunden funktionieren, wenn mögliche Kunden entsprechende Keywords wie beispielsweise “Übersetzung Französisch Karlsruhe” googeln und so auf eine Website aufmerksam werden.

Soll eine Website die zuletzt genannte Funktion eines Akquise-Werkzeugs erfüllen, muss der Betreiber zwangsläufig darauf aus sein, dass die Seite bei den Google-Suchergebnissen möglichst weit oben zu finden ist – idealerweise natürlich auf der ersten Trefferseite. Um dies zu erreichen, stehen ihm diverse SEO-Methoden zur Verfügung. Er muss Keywords definieren, die Keyword-Dichte optimieren, den möglichst relevanten Content SEO-gerecht formatieren, gute Title Tags festlegen, für eingehende und ausgehende Links sorgen und so weiter und so fort. Werden all diese und noch zahlreiche andere Punkte beachtet, hat man eventuell das Glück, bei Google für die gewünschten Keywords ganz oben gelistet zu werden.

Für die Website “www.judith-brecht.de” meines Übersetzungsbüros konnte bzw. kann ich durch ständige Änderungen und Verbesserungen ganz passable Besucher-Ergebnisse erzielen. Letzte Woche nun die Änderung von Google: Die für Google-Places gefundenen Treffer erscheinen nicht mehr wie bisher separat über den organischen Suchergebnissen rechts neben der Google-Maps-Karte, sondern in die organischen Ergebnisse einsortiert – was bedeutet, dass sie natürlich wesentlich mehr Platz beanspruchen und die “regulären” Suchergebnisse somit nach hinten drängen. Die Suchergebnisse haben auf diese Weise natürlich eine höhere lokale Relevanz , was zunächst einmal positiv für den Google-Benutzer zu werten ist. SEO-technisch müssen jedoch zunächst einmal die bisherigen Strategien überdacht werden, da man einfach noch zu wenig über die Auswirkungen der von Google vorgenommenen Umstellung weiß. Um die Verwirrung komplett zu machen, erhielt ich von meinem Gelbe-Seiten-Berater folgende Auskunft: Google-Places zieht sich seine Daten nicht nur aus der vom Benutzer angelegten Places-Seite, sondern auch aus entsprechenden Einträgen in der Gelbe-Seiten Online-Datenbank!?

Konkret hat das Ganze für mich bedeutet: Nachdem ich die Veränderung in der Google-Ergebnisanzeige bemerkt hatte, habe ich sofort versucht, meinen Places-Eintrag zu optimieren. Was ich jedoch nicht wusste ist, dass Google gleichzeitig auch die Zulässigkeitskriterien für Places-Einträge enorm verschärft hat, ohne sie entsprechend transparent zu machen. Es haben sich für mich Fragen über Fragen ergeben: Sollte mein Places-Eintrag diesen neuen Kriterien nicht Stand halten, so dass dieser bis zum Abschluss der Überprüfung durch Google deaktiviert würde – würde ich aufgrund meines Gelbe-Seiten-Eintrages trotzdem bei Google-Maps gelistet werden? Was würde mit meinem Ranking bei den organischen Treffern passieren – gibt es einen Zusammenhang? Gibt es “sichere” SEO-Methoden, um das Ranking bei Google-Places zu verbessern bzw. zu stabilisieren?

Falls jemand gerade ähnliche Erfahrungen macht, andere Aspekte der SEO-Thematik wichtig findet oder im Google-Dschungel besser Bescheid weiß als ich, würde ich mich über entsprechende Kommentare freuen!

2. November 2010

Beglaubigte Übersetzung eines deutschen Abiturzeugnisses

Zur beglaubigten Übersetzung von Zeugnissen und Diplomen aus der deutschen Sprache in die Fremdsprache ist in der Schrift “Richtlinien und Hinweise für die Anfertigung von Urkundenübersetzungen” des BDÜ Folgendes nachzulesen: “[...] Die Wiedergabe des Schultyps bei Zeugnissen, der Noten und der erworbenen Berufsbezeichnung soll möglichst wörtlich sein. [...] Insbesondere ist die Verwendung von Rechtsbegriffen des hiesigen Schulwesens entsprechend dem Schulgesetz von Baden-Württemberg und an den hiesigen Schulen verwendeten und vergebenen Abschlussbezeichnungen (z.B. Realschulabschluss, Fachschulreife, Fachhochschulreife, fachgebundene bzw. allgemeine Hochschulreife usw.) zu vermeiden, sofern sich diese nicht zwingend aus den ausländischen Begriffen ableiten. [...]“.
Hieraus ergibt sich auch für die Übersetzung eines deutschen Abiturzeugnisses in die Fremdsprache, in meinem Fall ins Französische oder Spanische, ein klarer Auftrag: Die Übersetzung soll möglichst textnah dokumentieren, was im Ausgangstext zu lesen steht – ohne Interpretationen oder Adaptationen.
Ich arbeite bei Zeugnisübersetzungen immer gerne mit Fuß- oder Endnoten. Bei allen landesspezifischen Termini wird der deutsche Begriff in Kursivschrift übernommen und in einer Fuß- bzw. Endnote näher erläutert. Hier einige Beispiele für solche Termini aus deutschen Abiturzeugnissen, die meiner Ansicht nach nicht direkt übersetzt werden sollten: Vereinbarung zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II, Kultusministerkonferenz, Profilfach, Neigungsfach. Begriffe wie die beiden zuletzt genannten einfach wörtlich zu übersetzen würde bei dem Leser des Zieltextes bestenfalls Verwunderung hervorrufen. Unerlässlich erscheinen mir hier Erläuterungen wie zum Beispiel El Profilfach es una asignatura obligatoria escogida por el alumno de entre las opciones siguientes: biología, química, física o una lengua extranjera.