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Judith Brecht
Diplom-Übersetzerin (BDÜ)
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ÜbersetzerBlog

25. Oktober 2010

Übersetzung eines französischen “Acte de notoriété”

Wenn man nach einer deutschen Übersetzung für den Begriff Acte de notoriété googelt, erhält man oft das Ergebnis Erbschein, der Vorschlag von Doucet/Fleck lautet (von einem Notar od. Richter nach Aussage mehrerer Personen ausgestellte) Offenkundigkeitsurkunde. Was genau ist ein Acte de notoriété?  Ganz allgemein betrachtet ist es eine Urkunde, die dem Beweis einer Tatsache dient, die mehreren Personen bekannt sein musste, also ein “Beweis vom Hörensagen” (preuve de commune renommée). Sie wird vor allem zur Bescheinigung der Erbfolge sowie der jeweiligen Anteile der Erben an der Erbmasse verwendet. Ersteller des Acte de notoriété sind entweder Notare oder der Urkundsbeamte der Geschäftsstelle des Tribunal d’Instance am Ort des letzten Wohnsitzes des Erblassers, da es in Frankreich außer in Elsass-Lothringen keine Nachlassgerichte gibt (die ja in Deutschland zum Beispiel für die Ausstellung eines Erbscheins zuständig sind). Als Grundlage für die Errichtung eines Acte de notoriété dienen dem Notar bzw. dem Urkundsbeamten insbesondere das Familienbuch sowie die Personenstandsurkunden der verschiedenen Anspruchsberechtigten. Obwohl die beiden Dokumente – Acte de notoriété in Frankreich und Erbschein in Deutschland – dieselbe Funktion haben, nämlich den Nachweis über die Erbeneigenschaft zu erbringen, übersetze ich Acte de notoriété auch in Erbangelegenheiten nicht mit “Erbschein”. Dies würde eine Gleichheit der Rechtssysteme suggerieren, die so doch nicht vorhanden ist. In der Regel entscheide ich mich für die Übersetzung mit “Offenkundigkeitsurkunde” und weise in einer Fußnote auf die funktionelle Ähnlichkeit mit dem deutschen Erbschein hin. Viele hilfreiche Informationen zum Erbrecht in Europa sind übrigens unter www.successions-europe.eu zu finden!

21. Oktober 2010

Grundbuchinformationen Spanien: Nota Simple Informativa und Certificación Registral

Zur Einsicht in das spanische Grundbuch kann jeder, der ein berechtigtes Interesse daran hat, beim zuständigen Grundbuchamt (Registro de la Propiedad) einen Grundbuchauszug über die betreffende Liegenschaft beantragen: entweder eine Nota Simple Informativa oder eine Certificación Registral. Worin liegen die Unterschiede? Die Nota Simple Informativa ist ein Grundbuchauszug mit rein informativem Charakter. Ihre Wirkung ist beschränkt auf die Beziehung zwischen dem Antragsteller und dem Leiter des Grundbuchamtes. Bei der Certificación Registral hingegen handelt es sich um eine verbindliche Grundbuchbescheinigung, die die Unterschrift des Grundbuchführers trägt. Dieser beglaubigt die Bescheinigung und haftet gegenüber dem Antragsteller. Die Certificación Registral ist ein öffentliches Dokument, das zum Beispiel vor Gericht zu Beweiszwecken dienen kann. Im Gegensatz zur Nota Simple Informativa kann sie das Bestehen oder Nichtbestehen von Lasten und Belastungen gegenüber Dritten nachweisen.  Bei beiden Dokumenten wird hauptsächlich Auskunft über folgende Daten gegeben: Beschreibung, Lage, Fläche und Grenzen der Liegenschaft, Eigentumsverhältnisse, Lasten und Belastungen (z.B. Hypotheken, Dienstbarkeiten),  Art des Erwerbs (z.B. Kauf, Erbschaft). Während die Nota Simple Informativa jedoch lediglich den aktuellen Stand der Dinge wiedergibt, enthält die Certificación die vollständige Historie der Liegenschaft – vom ersten Grundbucheintrag bis zum Tag ihrer Ausstellung.