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Judith Brecht
Diplom-Übersetzerin (BDÜ)
Landauer Str. 13
76185 Karlsruhe
Fon 0721 2031349
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ÜbersetzerBlog

30. September 2010

Internationaler Übersetzertag

Heute ist Internationaler Übersetzertag. Auf der Website des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer BDÜ habe ich erfahren, dass der 30. September der Todestag des Heiligen Hieronymus, des Schutzpatrons der Übersetzer, ist. Hieronymus wurde im Jahr 347 in der römischen Provinz Dalmatia geboren und war Gelehrter und Theologe der katholischen Kirche in der Spätantike. Er studierte in Rom Grammatik, Rhetorik und Philosophie, später lernte er in Antiochia noch Griechisch und Hebräisch. Neben vielen weiteren Übersetzungen ist er auch der Verfasser der “Vulgata”, einer Bibelübersetzung in ein für die damalige Zeit “modernes” Latein, die die bis dahin gebräuchlichen Bibelübersetzungen abgelöst hat. Am 30. September 420 schließlich starb Hieronymus in Betlehem.

Der BDÜ nimmt den heutigen Übersetzertag zum Anlass, auf die Arbeit der Gerichtsdolmetscher und Gerichtsübersetzer aufmerksam zu machen. Besonders hervorgehoben werden in diesem Zusammenhang die hohen Anforderungen, die an das sprachliche Können sowie die fachliche Qualifikation von Gerichtsdolmetschern und -übersetzern gestellt werden.

24. September 2010

Notarielle Funktionen der Botschaften und Konsulate Spaniens in Deutschland

Als beeidigte Übersetzerin habe ich Muster meiner Unterschrift und meines Stempels beim spanischen Generalkonsulat in Stuttgart hinterlegt, damit meine Unterschrift dort überbeglaubigt werden kann (als Alternative zum üblichen Weg notarielle Beglaubigung meiner Unterschrift – Überbeglaubigung durch das Landgericht). Was ich bisher nicht wusste ist, dass der Generalkonsul mit den Funktionen eines Notars ausgestattet ist und notarielle Dokumente von Spaniern und Staatsbürgern anderer Länder beurkunden kann. So müssen diese Dokumente nicht zusätzlich beglaubigt werden und werden von allen Behörden in Spanien anerkannt. Wie auf der Website der Botschaft Spaniens in Berlin nachzulesen ist, können auf diesem Wege hauptsächlich Vollmachten und Testamente, die für den Gebrauch in Spanien bestimmt sind, in sämtlichen Botschaften und Konsulaten Spaniens beurkundet werden. Die Botschaften und Konsulate Frankreichs üben seit dem 01.01.2005 übrigens keine notariellen Funktionen mehr aus.

21. September 2010

Immobilienkauf oder -verkauf in Frankreich

In einem älteren Blog-Eintrag habe ich über das Thema “Übersetzungen Spanisch aus dem Bereich Immobilien” geschrieben. Es kommt jedoch auch häufig vor, dass Kunden eine in Frankreich belegene Immobilie kaufen oder verkaufen möchten. Die beiden wichtigsten Urkunden, die mir in diesem Zusammenhang immer wieder zur Übersetzung vorgelegt werden, sind der “Compromis de vente” sowie der “Acte authentique”.

Googelt man den Begriff “Compromis de vente”, so findet man auf Seiten von Maklerbüros o.ä. häufig die etwas irreführende deutsche Übersetzung “Vorvertrag”, die übrigens auch in meinem Rechtswörterbuch (Doucet/Fleck) zu finden ist. Bei dem Terminus “Vorvertrag” ist die zeitliche Komponente natürlich korrekt, da er vor der notariellen Beurkundung der Eigentumsübertragung stattfindet. Doch er suggeriert auch den Aspekt des Unverbindlichen, als würden der Form halber nur vorab die Rahmenbedingungen der Transaktion abgesteckt werden, um sie dann im “eigentlichen Vertrag” zu fixieren. Wie das Wort “Compromis” jedoch schon nahelegt, ist der “Compromis de vente” auch dann rechtsverbindlich und einklagbar, wenn er nur in privatschriftlicher Form (also nicht unter Mitwirkung eines Notars) abgeschlossen wurde. Er verpflichtet beide Vertragsparteien, die Eigentumsübertragung notariell zu vollziehen, sofern er nicht innerhalb der gesetzlichen Frist von 8 Tagen widerrufen wurde. Eine Ausnahme bildet das Vorliegen einer auflösenden Bedingung (“Condition suspensive”),  z.B. wenn der Käufer kein Darlehen von einer Bank erhält, ein Vorkaufsrecht (“Droit de préemption”) vorliegt, das Grundstück durch wertmindernde Dienstbarkeiten (“Servitudes graves”) belastet ist o.ä. Ist, wie in vielen Fällen, eine Anzahlung vereinbart, darf der Verkäufer diese meist behalten, wenn die Eigentumsübertragung nicht zustande kommt.

Die notarielle Beurkundung der Eigentumsübertragung schließlich wird als “Acte authentique” bezeichnet, ihr Zeitpunkt wird im “Compromis de vente” festgelegt. Danach geht die Immobilie mit sofortiger Wirkung an den Käufer über, also bereits vor der Eintragung ins Grundbuch – dies gilt für ganz Frankreich außer Elsass-Lothringen, dort ist eine Grundbucheintragung Voraussetzung des Eigentumsübergangs. Auch im übrigen Frankreich erfüllt die Grundbucheintragung allerdings den Zweck zu gewährleisten, dass die Immobilie nicht anderweitig verkauft oder belastet werden kann.

14. September 2010

Einarbeitung in neue Fachgebiete

Meine Fachgebiete als Übersetzerin sind grob gesagt Urkundenübersetzung, Wirtschaft und Recht. Was passiert, wenn ich das Diplom-Zeugnis einer Psychologin oder das Arbeitszeugnis eines Elektro- oder Verfahrenstechnikers zur beglaubigten Übersetzung erhalte? Was den Oberbegriff “Urkundenübersetzung” angeht, passt das ja schon mit dem Fachgebiet, aber das Vokabular ist doch zum Teil das eines medizinischen bzw. technischen Übersetzers. Ich bin der Ansicht, ein guter Übersetzer kann sich in jedes Fachgebiet einarbeiten. Besitzt man die geeigneten Fachwörterbücher nicht selbst, kann man zum Beispiel versuchen, solche auszuleihen. Für mich ist die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe eine gute Möglichkeit, an solche Wörterbücher oder auch Sekundärliteratur zu einem Thema zu kommen. Nicht zu vernachlässigen ist natürlich das Internet als fast unerschöpfliche Quelle an Paralleltexten zu allen nur denkbaren Themengebieten. Alles in allem benötige ich für eine solche Übersetzung mit Vokabular aus “fremden” Fachgebieten natürlich mehr Zeit als für die Übersetzung der x-ten Geburtsurkunde. Ich trage jedoch die Ergebnisse meiner Recherche systematisch in meine Terminologiedatenbank ein und kann bei der nächsten Übersetzung aus demselben Gebiet davon profitieren.

6. September 2010

“Fertigkeit Übersetzen” von Christiane Nord

In dem neuesten Büchlein aus der Schriftenreihe des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) geht die Autorin Christiane Nord den Fragen nach, was denn eigentlich die “Kunst” des Übersetzens ausmacht und wie man sie am besten an Lernende vermitteln kann.

Zur Klärung dieser beiden Kernfragen hat Christiane Nord ihr Buch in sechs Kapitel (eigentlich sieben, da der Lösungsschlüssel zu den Aufgaben ein eigenes Kapitel einnimmt) eingeteilt, in denen sie sich systematisch der Beantwortung der beiden oben genannten Fragen annähert. In den Kapiteln 1 und 2 soll zunächst geklärt werden, was Übersetzen denn eigentlich ist und welche Prozesse dabei ablaufen. Hierfür wird auf die gängigsten Definitionen aus der Übersetzungswissenschaft (Oettinger, Catford, Winter, Nida, Jäger, Koller, Vermeer, Nord) sowie theoretischen Modelle (Jakobson, Bühler) eingegangen, um darüber hinaus gehend ein eigenes Modell, das 4-Funktionen-Modell, zu entwickeln. An diese theoretische Einführung schließt ein eher an der Praxis orientierter Teil über die verschiedenen Phasen eines Übersetzungsauftrages, die übersetzungsrelevante Textanalyse als erste Phase des Übersetzungsprozesses sowie die Transferphase an. In den Kapiteln  3 und 4 untersucht die Autorin die Frage nach dem Wesen der für das Übersetzen notwendigen Kompetenzen sowie deren Vermittlung. Hier wird zwischen verschiedenen Fähigkeiten (z.B. Analysefähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Kreativität) und Fertigkeiten (z.B. Auftragsanalyse, Textanalyse) unterschieden, die für die gelungene Anfertigung einer Übersetzung erforderlich sind. Des weiteren wird näher beleuchtet, wie Übersetzungsunterricht gestaltet sein muss, um diese Kompetenzen zu lehren. In Kapitel 5 folgt die Darstellung einer Modell-Unterrichtseinheit, bevor in Kapitel 6 ein Resümee der Lernziele, auf denen eine translatorische Grundkompetenz beruht, gezogen wird.

Insgesamt betrachtet bin ich der Ansicht, dass das Grundanliegen der Autorin, die Beantwortung ihrer zu Beginn genannten Kernfragen, erfüllt ist. Der Aufbau des Buches ist logisch: Zunächst wird der Leser gut mit dem notwendigen theoretischen Grundwissen versorgt, das anhand der einschlägigen bereits vorhandenen Theorien und Modelle anderer Übersetzungswissenschaftler herausgearbeitet und mit Hilfe eigener Ansätze von Christiane Nord weiterentwickelt wird (z.B. Zirkelmodell zur Analyse der Abläufe des Übersetzungsprozesses, Abfrageschema mit W-Fragen zur Textanalyse). Einige für die übersetzerische Praxis wichtige Punkte sind ausgezeichnet dargestellt (z.B. Unterscheidung dokumentarische Übersetzung / instrumentelle Übersetzung) und oft am Ende eines Ausführungsstranges, eingeleitet mit “Wir halten fest:”, nochmals zusammengefasst. Im zweiten inhaltlichen Block über die Vermittlung der Übersetzungskompetenz legt Christiane Nord die Messlatte für einen nach ihrer Ansicht gelungenen Unterricht außerordentlich hoch. So ist sie zum Beispiel der Ansicht, im Spanischunterricht solle den Schülern nicht nur beigebracht werden, dass “danke” auf Spanisch “gracias” heißt, sondern auch, wie oft und bei welchen Gelegenheiten man es (im Gegensatz oder Vergleich zu “danke”) verwendet bzw. nicht verwendet. Dies ist auch in einer Äußerung zur Frage “Was ist ein Übersetzungsfehler?” zu beobachten, hier schreibt sie: “Besonders wichtig erscheint mir, dass Verstöße gegen syntaktische und lexikalische Regeln des zielsprachlichen Systems nicht als Übersetzungsfehler im eigentlichen Sinne betrachtet werden, da die Beherrschung der Zielsprache Voraussetzung der Übersetzungsleistung sein muss und nicht Gegenstand der Leistungskontrolle.” (Christiane Nord, “Fertigkeit Übersetzen”, S. 179). Besonders positiv hervorzuheben ist hier ihr Beitrag zur Auwahl von Texten und Unterrichtsmaterial, veranschaulicht durch fünf Texte, die Christiane Nord in ihren Einführungskursen zum professionellen Übersetzen Spanisch-Deutsch verwendet. Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Merkmal des Buches ist das häufige Einstreuen von praktischen Aufgaben, mit deren Hilfe der Leser zum aktiven Mitdenken ermuntert werden soll (z.B. Textanalyse anhand von vier verschiedenen Pudding-Rezepten). Eigentlich keine schlechte Idee, doch die Lösungen bzw. Denkanstöße zu den Aufgaben finden sich separat im Lösungsschlüssel in Kapitel 7, so dass der Zusammenhang zwischen der Theorie, mit deren Hilfe eine Aufgabe gelöst werden soll, der Aufgabe selbst und deren Lösung manchmal verlorengeht. Die Analyse von Makrostruktur, Mikrostruktur etc. der vier Pudding-Rezepte z.B. ist sehr interessant für die Praxis, hier wäre eine Erarbeitung anhand von im Kontext erläuterten Beispielen wohl besser gewesen.

Alles in allem beinhaltet das Buch auch für bereits fertig ausgebildete Übersetzer viele gute Denkanstöße und vertiefende Betrachtungen, für Menschen, die das Übersetzen noch lernen wollen, ist es ohnehin empfehlenswert: “Übersetzen als “Fertigkeit” zu betrachten, ist nur ein, wenn auch sehr wichtiger, Aspekt – ich würde Übersetzen eher als “Einstellungssache” ansehen. Viele Menschen ahnen das und finden Übersetzen und Übersetzungen unglaublich faszinierend, wenn man ihnen erzählt, was man als Übersetzerin oder Übersetzungswissenschaftlerin oder Übersetzungslehrerin so alles tut. Daher tummeln sich auf dem Felde des Übersetzens auch so viele, die es faszinierend finden, aber das Handwerk, die “Fertigkeit”, nie erlernt haben. Dass dies nicht so bleibt, dazu soll dieser Selbstlernkurs ein wenig beitragen.” (Christiane Nord, “Fertigkeit Übersetzen”, S. 196).