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Judith Brecht
Diplom-Übersetzerin (BDÜ)
Landauer Str. 13
76185 Karlsruhe
Fon 0721 2031349
Fax 0721 6254776
www.judith-brecht.de

ÜbersetzerBlog

30. August 2010

Formatierung einer beglaubigten Übersetzung

Ein ganz wichtiges Thema. Nicht nur, weil die Formatierung bei der Übersetzung einer Urkunde oder eines anderen zu beglaubigenden Dokuments oft genau so viel (oder mehr) Zeit erfordert als die “eigentliche” Übersetzung, was natürlich in der  Angebotskalkulation berücksichtigt werden muss. Auch für die Gegenseite, den Empfänger der Übersetzung, ist eine gute Vergleichbarkeit von Original und Übersetzung essentiell. Es soll ihm ermöglicht werden, Ausgangstext und Übersetzung nebeneinander zu legen und genau zu erkennen, “was wo steht”. Hierfür müssen “Druckanordnung und Schriftbild der Überetzung [...] möglichst genau dem Ausgangstext angeglichen werden, weil dadurch der Vergleich zwischen Ausgangstext und Übersetzung wesentlich erleichtert wird”, wie es in der Schrift “Richtlinien und Hinweise für die Anfertigung von Urkundenübersetzungen” des BDÜ zutreffend formuliert wird. Dies gilt auch für die Position von Stempeln, Gebührenmarken, handschriftlichen Vermerken usw., auf die ich an den entsprechenden Stellen in einer Anmerkung hinweise. Problematisch ist hier des öfteren die Tatsache, dass sich die Satzstellung im Französischen oder Spanischen oft von der im Deutschen unterscheidet. Wenn zum Beispiel ein Satz komplett umgestellt werden müsste, damit er sich im Deutschen flüssig liest, dies aber die Tabellen- oder Lückentextformatierung des Ausgangstextes “zerreißen” würde, muss man sich schon entscheiden, ob man nicht zugunsten der Vergleichbarkeit von Original und Übersetzung ausnahmsweise eine etwas holprigere Formulierung in Kauf nimmt. Ich entscheide das im Einzelfall, und wenn eine Formulierung im Deutschen gar zu schlimm klingen würde, gleiche ich den Satzbau an und weise ggf. in einer Anmerkung auf den dadurch entstandenen Formatierungsunterschied hin.

21. August 2010

Staatliche Prüfung für Übersetzer

Eines der in der neuen MDÜ (Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer) behandelten Themen lautet “Staatliche Prüfungen für Übersetzer und Dolmetscher in Deutschland – Hohe Qualitätsstandards”. Zu dieser Überschrift kann auch ich meine Erfahrungen beisteuern, da ich vor nun schon fast einem Jahr meine “Staatliche Prüfung für Übersetzer in der Sprache Spanisch” vor dem Regierungspräsidium Karlsruhe abgelegt habe. Und dies, obwohl ich bereits 1996 die Prüfung für Diplom-Übersetzer für die Sprachen Französisch und Spanisch am FASK (heute FTSK) Germersheim erfolgreich absolviert habe. Wieso? Als ich 2005 meine Beeidigung als Übersetzerin beim Landgericht Karlsruhe beantragte, wollte ich mich eigentlich für beide Sprachen – Französisch und Spanisch – beeidigen lassen. Man teilte mir jedoch mit, ich könne nur für die französische Sprache beeidigt werden, da Spanisch “nur” meine Zweitfachsprache sei und ich nur für die Sprachrichtung Spanisch-Deutsch, nicht aber Deutsch-Spanisch geprüft worden wäre. Komisch – während meiner gesamten Ausbildung in Germersheim hat niemand darauf hingewiesen, dass das mal ein “Problem” werden könnte, es war völlig normal, zwischen Erst- und Zweitfachsprache zu unterscheiden – sonst hätte ich der Einfachheit halber die Sprachrichtung Deutsch-Spanisch ja gleich mitmachen können. Doch so musste ich mir neun Jahre später sagen lassen, ich müsse zusätzlich eine staatliche Übersetzerprüfung für Spanisch absolvieren, um mich auch für diese Sprache als Urkundenübersetzerin beeidigen lassen zu können. Nachdem ich 2005 und auch in den darauf folgenden Jahren überhaupt keine Zeit für diese Zusatzprüfung hatte, habe ich mich 2009 endlich beim Regierungspräsidium angemeldet und wurde auch zur Prüfung zugelassen. Was mich dann erwartete, ist in der MDÜ mit “hohe Qualitätsstandards” eher freundlich formuliert. Auch als bereits qualifizierte Diplom-Übersetzerin war eine umfangreiche und sehr zeitaufwendige Vorbereitung notwendig, um die aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil bestehende Prüfung (die ja wegen meines bereits vorhandenen Uniabschlusses “nur” eine Teilprüfung war) bestehen zu können. Die schriftliche Prüfung im Mai 2009 beinhaltete für mich folgende Komponenten: die Übersetzung eines allgemeinsprachlichen Textes (398 Wörter) von der deutschen in die spanische Sprache, Bearbeitungszeit 1,5 Stunden ohne jegliche Hilfsmittel (in Germersheim durfte immerhin ein einsprachiges spanisches Wörterbuch benutzt werden), Thema: “Informations- und Kommunikationsökologie” + die Übersetzung eines fachsprachlichen Textes (mein Fachgebiet: Wirtschaft, 380 Wörter) von der deutschen in die spanische Sprache, Thema: “Wenn der Kreditfluss versiegt”. So weit so gut, die Ergebnisse dieser Prüfung haben wir im August (3 Monate später!!) erfahren, die mündliche Prüfung fand dann Mitte Oktober statt. Die Vorbereitung war sehr arbeitsintensiv, da es in der Prüfungsordnung nur lapidar heißt, es sei “ein Gespräch in der Fremdsprache und in deutscher Sprache über Landeskunde sowie insbesondere politische, wirtschaftliche und kulturelle Gegenwartsfragen des Sprachraums sowohl der Fremdsprache als auch der deutschen Sprache” vorgesehen, Dauer 30 Minunten. Auf deutsche Landeskunde konnte ich mich gezielt mit Hilfe des sehr empfehlenswerten Büchleins “Deutsche Landeskunde” von Ulrich Daum aus der Schriftenreihe des BDÜ vorbereiten. Viel schwieriger war es mit dem “Sprachraum der Fremdsprache” – der spanische Sprachraum umfasst neben Spanien fast gesamt Süd- und Mittelamerika! Hier habe ich mir aus einigen Büchern die meiner Ansicht nach wichtigsten und interessantesten Informationen herausgeschrieben und ansonsten viel Zeitung gelesen (El País!!). Das Prüfungsgespräch verlief dann auch zum Glück recht angenehm mit Fragen unter anderem zum Tourismus in Lateinamerika (Stichwort ecoturismo), Einwanderung in Spanien und Lateinamerika, Situation Kubas in den letzten 15 Jahren und einiges mehr. Es ging in der kurzen Zeit natürlich nicht allzu sehr in die Tiefe, wichtig war, zu allem etwas sagen zu können. Begonnen hat die mündliche Prüfung übrigens mit einer Stegreifübersetzung aus meinem Fachgebiet Wirtschaft – sehr zu meiner Überraschung zu dem Thema “US-Dollar – Symbol des Stolzes und der Schande”. Ich hatte fest mit einem Text zur Finanzkrise gerechnet, aber im Endeffekt war es so auch ganz in Ordnung. Da ich auch diese Prüfung bestanden habe (das wurde mir gleich im Anschluss mitgeteilt), musste ich nur noch auf die Zusendung des Zeugnisses warten und konnte mich vier Wochen später schon beeidigen lassen.

16. August 2010

Porteños?

Vor kurzem habe ich im ZDF eine Sendung über Buenos Aires gesehen, ganz gut gemacht. Gleich zu Beginn war dauernd die Rede von den “Porteños”. Es war zwar vom Zusammenhang her klar und wurde im Verlauf der Sendung auch erklärt, dass es sich hierbei um die Bewohner der Stadt Buenos Aires handelt, doch für mich war der Begriff neu. Klar, Buenos Aires ist eine Hafenstadt am Río de la Plata, und das Adjektiv “porteño/-a” wird im Diccionario de la Lengua Española der Real Academia zunächst als “Natural de algunas de las ciudades de España y América en las que hay puerto.” definiert. Beim weitergoogeln habe ich erfahren, dass “porteños” auch verwendet wird, um die Einwohner der Stadt Buenos Aires von den “bonaerenses”, den Bewohnern der Provinz Buenos Aires, zu unterscheiden.

15. August 2010

Preiskalkulation bei der Übersetzung von Urkunden

Normalerweise rechne ich Übersetzungen nach Zeilen in der Zielsprache ab, das heißt: Die Zeilen des von mir übersetzten Dokuments werden mit der Software “TextCount” gezählt, wobei von 55 Zeichen pro Zeile ausgegangen wird, je 1 Leerzeichen wird mitgezählt. Das Ergebnis multipliziert mit meinem Zeilenpreis ergibt den Nettoendpreis für die Übersetzung. Das Problem bei der Sache ist, dass vor allem Privatkunden meistens genau wissen wollen, was preislich auf sie zukommt, sie wollen also, dass ich ihnen einen Pauschalpreis anbiete. Für die Kalkulation dieser Pauschale habe ich nun mehrere Möglichkeiten. Liegt der Ausgangstext für die Übersetzung als für mich zählbares Dokument vor (z.B. Word-Dokument, markierbare PDF-Datei o. ä.), berechne ich den Preis auf der Grundlage dieses Zählergebnisses ggf. zuzüglich einer Marge für den Fall, dass die übersetzte Version voraussichtlich länger werden wird als der Ausgangstext – etwa aufgrund von Formulierungsunterschieden, notwendigen Anmerkungen des Übersetzers usw. Dem Kunden kann ich dann sagen, dass der Nettoendpreis natürlich genau anhand des fertigen Zieltextes berechnet wird, aber auf keinen Fall den anhand des Ausgangstextes berechneten Preis überschreiten wird. Bei der Übersetzung von Urkunden stehe ich jedoch häufig vor dem Problem, dass mir das Originaldokument vorliegt, anhand dessen ich abschätzen muss, was meine Übersetzung kosten wird. Wenn ich das Ganze einscanne, habe ich bis jetzt noch keine brauchbare Lösung gefunden, wie ich die entsprechende Grafikdatei auszählen kann. Ich beabsichtige, mir in der nächsten Zeit die Software “OmniPage” anzuschaffen, mit der dann – so zumindest die Produktbeschreibung – auch solche Formate zählbar gemacht werden. Bislang jedenfalls kann ein Pauschalpreis folgendermaßen kalkuliert werden: Auszählen des Originaldokuments per Hand (Zeilen x Preis/Zeile) oder Abschätzung des zu erwartenden Zeitaufwandes (Zeitaufwand x Preis/Stunde). Da das Auszählen per Hand erstens recht mühsam ist und zweitens den bei Urkundenübersetzungen oft nicht zu unterschätzenden Formatierungsaufwand nicht berücksichtigt, nehme ich meistens den Zeitaufwand als Basis für mein Preisangebot. Nach Fertigstellen des Auftrags weiß ich einerseits, wieviel Zeit ich tatsächlich für die Übersetzung benötigt habe, andererseits zähle ich meine Übersetzung mit TextCount durch, um festzustellen, welchen Preis ich bei Berechnung auf Zeilenbasis erhalten hätte. Auf diese Weise gewinne ich Erfahrungswerte, die es mir ermöglichen, meine Schätzungen immer exakter dem zu erwartenden Zieltext anzunähern.

9. August 2010

Übersetzung Berufsbezeichnungen

Die Übersetzung von Berufsbezeichnungen, sei es vom Deutschen in die Fremdsprache oder umgekehrt, ist immer eine heikle Sache. Heute hatte ich gerade wieder die “Rechtspflegerin” auf einem vom Amtsgericht Karlsruhe ergangenen Gerichtsurteil ins Französische zu übersetzen. Meiner Ansicht nach macht es hier überhaupt keinen Sinn, irgendwelche mehr oder weniger wörtlichen Übersetzungen zu basteln, es handelt sich hier nun einmal um eine typisch deutsche Sache, die woanders wahrscheinlich so nicht bekannt ist. Ich habe mich dafür entschieden, den Begriff so zu übernehmen und mit einer erklärenden Fußnote zu versehen (“Fonctionnaire chargée de l’administration de la justice”). In ähnlichen Fällen hat mir für Übersetzungen in die oder aus der französischen Sprache auch schon das Buch “Staats- und Verwaltungsorganisation in Deutschland und Frankreich” von Klaus-Dieter Schnapauff und David Capitant weitergeholfen. Hier gibt es zwei Glossare (Deutsch-Französisch und Französisch-Deutsch), in denen Begriffe zweispaltig jeweils auf Deutsch und Französisch erklärt werden (z.B. landestypische Dinge wie “Regierungsbezirk”, Regierungspräsident” o.ä.).

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