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Judith Brecht
Diplom-Übersetzerin (BDÜ)
Landauer Str. 13
76185 Karlsruhe
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ÜbersetzerBlog

7. Dezember 2010

Übersetzung von deutschen Bachelor-Abschlüssen ins Französische

Zur Zeit erhalte ich recht häufig Bachelor-Abschlüsse, die an einer deutschen Hochschule/Universität erlangt wurden, zur Übersetzung ins Französische. Diese Dokumente sind ganz unterschiedlich gestaltet, es handelt sich zum Beispiel um Verleihungen des akademischen Grades (Bachelor of …), Notenspiegel der Abschlussprüfung im Bachelor-Studiengang oder Bachelor-Zeugnisse.

Da ich mein Studium lange vor Einführung von Bachelor, Master und Co. in Deutschland beendet habe, musste ich mich erst einmal inhaltlich mit den Umstrukturierungen befassen, die im Rahmen des Bologna-Prozesses stattgefunden haben: Aus der Überlegung heraus, einen einheitlichen Europäischen Hochschulraum zu schaffen, wurde im Jahr 1999 von 29 europäischen Bildungsministern in Bologna die (völkerrechtlich nicht bindende) Bologna-Erklärung unterzeichnet. Einige (auch übersetzungsrelevante) Eckpfeiler der Erklärung sind:

  • bessere Vergleichbarkeit von Abschlüssen, z.B. durch die Einführung eines gemeinsamen Diplomzusatzes
  • transparentes dreigliedriges System: Bachelor – Master – Doktor/PhD
  • bessere Vergleichbarkeit und Anrechenbarkeit von Leistungen durch die Einführung des European Credit Transfer System (ECTS)
  • Einteilung von Lehreinheiten in Module, um die konzentrierte Einarbeitung in ein Teilgebiet zu ermöglichen

Was bedeutet das Ganze nun für die Übersetzung der oben erwähnten Bachelor-Unterlagen ins Französische? Obwohl der Begriff Bachelor durch die “Europäisierung” der Hochschullandschaft in Frankreich selbstverständlich bekannt ist, besteht dennoch Verwechslungsgefahr mit dem baccalauréat, das etwa dem deutschen Abitur entspricht. Um eine solche Verwechslung zu vermeiden, habe ich mich entschieden, “Bachelor-Zeugnis” zwar mit Diplôme de Bachelor wiederzugeben, jedoch nicht ohne in einer Fußnote auf die Entsprechung mit der französischen Licence hinzuweisen. Beim Bachelor-Studiengang, der Bachelor-Arbeit und der Bachelor-Prüfung hingegen verzichte ich auf einen solchen Hinweis, da diese Begriffe den Ablauf des Studiums bzw. verschiedene Phasen (und nicht das Resultat) betreffen, und es ja eigentlich nicht Aufgabe des Übersetzers ist, Angleichungen vorzunehmen und Parallelen zu ziehen. So habe ich mich darauf beschränkt, den Bachelor-Studiengang mit cursus de Bachelor, die Bachelor-Prüfung mit examen de Bachelor und die Bachelor-Arbeit mit travail de Bachelor wiederzugeben – die zahlreichen Treffer in Google bestätigen zumindest, dass diese Formulierungen im französischen Sprachraum nicht unbekannt sind.

20. November 2010

Die Übersetzung französischer Gerichtsurteile

Unter www.tradulex.org ist neben anderen Informationen rund ums Übersetzen eine Sammlung von Aufsätzen zum Thema “Juristisches Übersetzen” zu finden. Ein meines Erachtens besonders lesenswerter Beitrag von Suzanne Ballansat – Juristin, Übersetzerin und Lehrbeauftragte an der Universität Genf – soll hier kurz vorgestellt werden. Er trägt den Titel “Attendu que – Französische Gerichtsurteile als Herausforderung für den Übersetzer”.

Zunächst einmal wird dargelegt, dass es für einen Richter im Wesentlichen zwei Möglichkeiten der Urteilsfindung gibt: die deduktive, in den Ländern des Civil Law vertretene Methode, nach der eine abstrakte Norm auf einen konkreten Fall angewandt wird, und die induktive, in den Ländern des Common Law vertretene Methode, bei der es sich um eine von früheren Fällen ausgehende empirische Lösungsfindung handelt. Obwohl Frankreich und Deutschland hiernach dem gleichen Rechtskreis der deduktiven Urteilsfindung angehören, bestehen zwischen den beiden Ländern doch erhebliche Unterschiede bezüglich des Stils, in dem ein Gerichtsurteil verfasst wird.

Generell stellt die Autorin des Aufsatzes fest – und jeder juristische Fachübersetzer wird das bestätigen können -, dass die in einem Gerichtsurteil verwendete Sprache durch eine strenge Syntax und einen hohen Anteil an Fachterminologie gekennzeichnet ist. Vor allem französische Gerichtsurteile zeichnen sich durch eine sehr abstrakte und unpersönliche Sprache aus.

Ist ein deutsches Gerichtsurteil grob gesagt gegliedert in Urteilsformel – Tatbestand – Entscheidungsgründe, so lässt sich die Gliederung eines französischen Gerichtsurteils genau umgekehrt darstellen: Nach dem Titel und den Leitsätzen folgen die Tatsachen, die Entscheidungsgründe/Erwägungen und erst zum Schluss kommt die Urteilsformel mit Tenor und Dispositiv.

Nach dem kurz umrissenen theoretischen Hintergrund kommt der für Französisch-Übersetzer eigentlich interessante Teil mit den typischen sprachlichen Merkmalen eines französischen Gerichtsurteils:

  • der phrase unique, die in den Erwägungen beginnt und deren Hauptverb erst im Dispositiv zu finden ist
  • der typischen Gliederung der Urteilsbegründung in Nebensätzen, die mit attendu que, considérant que oder vu eingeleitet werden
  • der Abschluss der Begründung mit par ces motifs
  • der Gliederung des eigentlichen Urteilstextes mit sur le moyen de

In der abschließenden Sinneinheit zeigt Suzanne Ballansat zwei mögliche Hauptzwecke auf, die die Übersetzung eines Gerichtsurteils haben kann. Zum einen kann sie lediglich zu Informationszwecken dienen, wenn z.B. ein ausländischer Rechtsanwalt die Übersetzung als Verständnishilfe benötigt. Der Übersetzer hat hier die Freiheit, seine Übersetzung wenn nötig den Bedürfnissen des Adressatenkreises anzupassen. Zum anderen kann die Übersetzung jedoch auch Entscheidungsgrundlage für Richter sein – in diesem Fall muss sich der Übersetzer um größtmögliche Äquivalenz bemühen, um die optimale Vergleichbarkeit von Ausgangs- und Zieltext zu gewährleisten. Hierzu ist es z.B. wichtig, Aufbau und Syntax des französischen Gerichtsurteils beizubehalten, ebenso die phrase unique, auch wenn die Lektüre der Übersetzung dadurch erschwert wird. Bezeichnungen für Gerichtsinstanzen, gesetzliche Erlasse usw. sind zu übernehmen, eine möglichst wörtliche Übersetzung oder ggf. eine Erläuterung sollte in einer Fußnote ergänzt werden.

25. Oktober 2010

Übersetzung eines französischen “Acte de notoriété”

Wenn man nach einer deutschen Übersetzung für den Begriff Acte de notoriété googelt, erhält man oft das Ergebnis Erbschein, der Vorschlag von Doucet/Fleck lautet (von einem Notar od. Richter nach Aussage mehrerer Personen ausgestellte) Offenkundigkeitsurkunde. Was genau ist ein Acte de notoriété?  Ganz allgemein betrachtet ist es eine Urkunde, die dem Beweis einer Tatsache dient, die mehreren Personen bekannt sein musste, also ein “Beweis vom Hörensagen” (preuve de commune renommée). Sie wird vor allem zur Bescheinigung der Erbfolge sowie der jeweiligen Anteile der Erben an der Erbmasse verwendet. Ersteller des Acte de notoriété sind entweder Notare oder der Urkundsbeamte der Geschäftsstelle des Tribunal d’Instance am Ort des letzten Wohnsitzes des Erblassers, da es in Frankreich außer in Elsass-Lothringen keine Nachlassgerichte gibt (die ja in Deutschland zum Beispiel für die Ausstellung eines Erbscheins zuständig sind). Als Grundlage für die Errichtung eines Acte de notoriété dienen dem Notar bzw. dem Urkundsbeamten insbesondere das Familienbuch sowie die Personenstandsurkunden der verschiedenen Anspruchsberechtigten. Obwohl die beiden Dokumente – Acte de notoriété in Frankreich und Erbschein in Deutschland – dieselbe Funktion haben, nämlich den Nachweis über die Erbeneigenschaft zu erbringen, übersetze ich Acte de notoriété auch in Erbangelegenheiten nicht mit “Erbschein”. Dies würde eine Gleichheit der Rechtssysteme suggerieren, die so doch nicht vorhanden ist. In der Regel entscheide ich mich für die Übersetzung mit “Offenkundigkeitsurkunde” und weise in einer Fußnote auf die funktionelle Ähnlichkeit mit dem deutschen Erbschein hin. Viele hilfreiche Informationen zum Erbrecht in Europa sind übrigens unter www.successions-europe.eu zu finden!

21. September 2010

Immobilienkauf oder -verkauf in Frankreich

In einem älteren Blog-Eintrag habe ich über das Thema “Übersetzungen Spanisch aus dem Bereich Immobilien” geschrieben. Es kommt jedoch auch häufig vor, dass Kunden eine in Frankreich belegene Immobilie kaufen oder verkaufen möchten. Die beiden wichtigsten Urkunden, die mir in diesem Zusammenhang immer wieder zur Übersetzung vorgelegt werden, sind der “Compromis de vente” sowie der “Acte authentique”.

Googelt man den Begriff “Compromis de vente”, so findet man auf Seiten von Maklerbüros o.ä. häufig die etwas irreführende deutsche Übersetzung “Vorvertrag”, die übrigens auch in meinem Rechtswörterbuch (Doucet/Fleck) zu finden ist. Bei dem Terminus “Vorvertrag” ist die zeitliche Komponente natürlich korrekt, da er vor der notariellen Beurkundung der Eigentumsübertragung stattfindet. Doch er suggeriert auch den Aspekt des Unverbindlichen, als würden der Form halber nur vorab die Rahmenbedingungen der Transaktion abgesteckt werden, um sie dann im “eigentlichen Vertrag” zu fixieren. Wie das Wort “Compromis” jedoch schon nahelegt, ist der “Compromis de vente” auch dann rechtsverbindlich und einklagbar, wenn er nur in privatschriftlicher Form (also nicht unter Mitwirkung eines Notars) abgeschlossen wurde. Er verpflichtet beide Vertragsparteien, die Eigentumsübertragung notariell zu vollziehen, sofern er nicht innerhalb der gesetzlichen Frist von 8 Tagen widerrufen wurde. Eine Ausnahme bildet das Vorliegen einer auflösenden Bedingung (“Condition suspensive”),  z.B. wenn der Käufer kein Darlehen von einer Bank erhält, ein Vorkaufsrecht (“Droit de préemption”) vorliegt, das Grundstück durch wertmindernde Dienstbarkeiten (“Servitudes graves”) belastet ist o.ä. Ist, wie in vielen Fällen, eine Anzahlung vereinbart, darf der Verkäufer diese meist behalten, wenn die Eigentumsübertragung nicht zustande kommt.

Die notarielle Beurkundung der Eigentumsübertragung schließlich wird als “Acte authentique” bezeichnet, ihr Zeitpunkt wird im “Compromis de vente” festgelegt. Danach geht die Immobilie mit sofortiger Wirkung an den Käufer über, also bereits vor der Eintragung ins Grundbuch – dies gilt für ganz Frankreich außer Elsass-Lothringen, dort ist eine Grundbucheintragung Voraussetzung des Eigentumsübergangs. Auch im übrigen Frankreich erfüllt die Grundbucheintragung allerdings den Zweck zu gewährleisten, dass die Immobilie nicht anderweitig verkauft oder belastet werden kann.

9. Juli 2010

Sommerlektüre

Eigentlich mag ich Bücher nicht, die mit Rückblenden arbeiten. Doch in Claudie Gallays Roman “Les Déferlantes”, auf den ich vor kurzem durch einen Artikel im französischen L’Express aufmerksam geworden bin, stören sie mich nicht. Hier sind es immer nur kurze Einwürfe, um dem Leser nach und nach aufzuzeigen, warum sich die Protagonistin (die als Ich-Erzählerin  namenlos bleibt) in das einsame Haus “La Griffue” an der Küste der Normandie zurückgezogen hat, um dort ihrer Arbeit als Ornithologin nachzugehen. Als eines Tages Lambert in dem Ort auftaucht, um das tragische Bootsunglück aufzuklären, bei dem vor vierzig Jahren seine Eltern und sein jüngerer Bruder ums Leben kamen, beginnt die Gechichte spannend zu werden. Mal sehen, wie’s weitergeht (ich habe erst ca. 1/3 des Buches gelesen), auf alle Fälle bin ich von den Landschaftsbeschreibungen der Autorin schon mal total begeistert. Im Cotentin war ich noch nie, das wird sich aber bestimmt noch ändern.